Ein Film von Koen Mortier
Belgien/Niederlande 2023, 106 min
Anschließend Filmgespräch mit dem Hauptdarsteller Thibaud Dooms.
Endlich werden die Behörden aktiv und befreien den 17-jährigen Liam aus seinem von Gewalt, Drogenexzessen und Missbrauch geprägten Elternhaus. Unter der Obhut einer staatlichen Einrichtung für traumatisierte und schwer erziehbare Jugendliche soll dem Jungen dabei geholfen werden, die Schrecken der Vergangenheit hinter sich zu lassen. Wut, Hass und Verzweiflung sitzen tief, Angst hemmt die Bereitschaft sich zu öffnen, und auf jeden Schritt nach vorn folgen zwei nach hinten. Zwar geraten die Jugendlichen in der Einrichtung endlich in Kontakt mit Empathie und Verständnis, doch zeigen sich schnell auch die institutionellen Probleme von Machtlosigkeit und Überforderung. Nicht nur entlang dieser Grenzen des Möglichen, sondern vor allem auch anhand der eskalierenden Auseinandersetzungen zwischen Liam und einem anderen Jugendlichen entbrennt die Frage danach, ob und auf welche Weise sich die Spirale der Gewalt überwinden lässt.
Ausgezeichnet bei den Tallinn Black Nights, beim Film Festival Oostende und beim Fantasy Filmfest.
Regie & Drehbuch: Koen Mortier – Kamera: Nicolas Karakatsanis – Schnitt: Manu van Hove – Musik: Amenra – Mit Thibaud Dooms, Colin Van Eeckhout, Sarah Vandeursen, Dirk Roofthooft, Natali Broods u.a. – Deutscher Verleih: Camera Obscura Filmdistribution, cameraobscurafilms.de
Koen Mortier
Koen Mortier, geboren 1965, ist ein belgischer Regisseur und Produzent. Nach dem Abschluss seines Filmstudiums am Royal Institute for Theatre, Cinema and Sound in Brüssel gründete er 1999 zusammen mit dem Regisseur Joe Vanhoutteghem CZAR Film. Seit Jahren zählt CZAR zu den einflussreichsten und erfolgreichsten Produktionsfirmen Belgiens und über
die Grenzen des Landes hinaus. Als Werbefilmer gewann Mortier zahlreiche Preise, u.a. bei den Filmfestspielen von Cannes.
Sein Spielfilmdebüt gab er mit Ex Drummer (2007), der beim Toronto International Film Festival Premiere feierte und mit mehreren internationalen Preisen ausgezeichnet wurde. Sein zweiter Film 22. Mai (2010) gewann Preise bei den Filmfestivals in Leeds, Mexiko und Bagdad. Auch sein dritter Spielfilm Un ange (2018) war auf zahlreichen Filmfestivals vertreten. Nach der Regie bei der elfteiligen Netflix-Dokuserie Voices of Liberation (2022) erschien mit Skunk (2023) Mortiers vierter Spielfilm. In seinen Werken rückt Mortier Randfiguren in den Fokus und befasst sich mit Themen wie Entfremdung, Gewalt und sozialen Zerfallserscheinungen.
Seine Filme sind herausfordernd wie konfrontativ und zeichnen sich dabei durch ihre rohe Energie, aber auch durch ihren schwarzen Humor aus. Sein Stil ist viszeral, absichtlich ungeschliffen, bemüht sich um den Eindruck der physischen Unmittelbarkeit, wobei er das emotionale Erleben seiner Figuren gegenüber konventionellen Handlungsstrukturen betont. Die Provokation seiner Filme ist kein Selbstzweck, sondern beruht auf der Überzeugung, dass auf diesem Weg wahrhaftig Authentisches über den Zustand der Menschen offenbart werden kann.

